"Mensch Marc, du kannst ja nicht den ganzen Tag drinnen vorm Computer sitzen - vielleicht solltest du auch mal rausgehen. Bogenschießen kannste ja mal wieder."
Als mich dieser Gedanke durchfuhr, war ich schon ein bisschen stolz. Ich dachte mir - "Hey, irgendjemand - und wenn es nur du selbst bist - wird es dir doch sicher danken. Denn worin sollte sonst der Sinn liegen hinaus an die Frische Luft zu gehen. Du tust dir damit nur selbst nen Gefallen.."
"Nur wo schießt du?" denke ich mir, denn in die Garage (wo ich sonst immer hineinschieße) geht's diesmal nicht. Das Auto steht noch dort, die Eltern sind ausgeflogen.
"Du könntest das Auto selbst hinausfahren.." überlege ich, wohl wissend, dass der Führerschein mir noch fehlt - und das Auto mir auch gar nicht gehört. Aber dann komtm der Gute Geist in mir hoch: "Nein, lass mal lieber. Irgendwer - und wenn es nur du selbst bist - wird es dir schon danken. Ansonsten machst du wohlmöglich noch nen Kratzer ins Auto. Du kannst ja auch auf die Blockhütte schießen.
Gut, denke ich, und schnappe mir meinen Bogen, die nigelnagelneuen Pfeile (8 €uro ! das Stück) und baue die Zielscheibe auf.
"Also", denke ich wieder, "am Besten stellst du die Scheibe nicht zu niedrig auf. Etwas höher, damit die Pfeil nicht kaputt gehen. Und am Besten auf einer Strecke, wo niemand verletzt wird. Und dann noch irgendwo, wo der Pfeil, wenn er vorbeifliegt, niemanden trifft. Also eben den Keramiktopf daruntergestellt und schon steht die Scheibe gut."
Ich bin schon wieder ein bisschen stolz. "Hey, irgendjeamnd - und wenn es nur du selbst bist - wird es dir noch danken. Du denkst an die anderen, willst niemanden verletzen und darüberhinaus schonst du noch deine Pfeile. Hast ja an alles gedacht."
"Gut", denke ich, "nun kann's ja losgehen." Ich lege also an und schieße. Der erste Pfeil trifft tadellos. Der zweite geht daneben ins Holz. "Kein Problem - ich weiß ja jetzt wie ich schießen muss, denke ich mir." Und tatsächlich: die anderen drei Pfeile treffen alle ihr Ziel.
"Wow, nun gehts also weiter. Du weißt ja jetzt wie es geht." - kein Problem, 5 Pfeile, 5 grandiose Treffer. In dem Moment kommen Mama und Papa heim.
"Hey, Papa, schau mal her." sage ich, kurz nachdem ich wieder nen Pfeil angelegt hab. "Ich bin extra rausgegangen und hab die Zielscheibe hier aufgestellt, damit ich das Auto nicht selbst rausfahren musste."
Ich bin schon ein bisschen stolz, spanne den Bogen, ziele und schieße. Der Pfeil fliegt - und PFLOCK - steckt im Holz drin - viel zu hoch.
"Nun gut - aber du hörst sofort auf, wenn der erste Pfeil kaputt geht." denke ich mir, lege den zweiten an, schieße. PFLOCK wieder im Holz. Diesmal zu weit rechts.
Nun gut.. bis jetzt noch keiner Kaputt - der nächste Pfeil folgt genau dem zweiten und landet fast an der selben Stelle.
Nun sind die teuren Pfeile dran. Der Beste zum Schluss. Der nächste Pfeil fliegt gut, mittig, präzise.
Zu tief. DDDIIINNGGGG. Der Keramiktopf vibriert. Der Pfeil landet daneben, ich bin mir nicht sicher, ob er kaputt gegangen ist. "Aber du hast ja selbst gesagt, nach dem ersten kaputten machste Schluss. Wirst ja gleich sehen, wie es um den Pfeil steht." denke ich mir, lege den letzten Pfeil an...
Es sind diese Momente, in denen das Leben einem sagen möchte: Hey, gut gemacht. Du bist die Ehrlichkeit in Person, hast heute alles richtig gemacht, bist n guter Kerl. Ich fick dich trotzdem..
Der Pfeil fliegt, das Geräusch seines Fluges (es war der beste Pfeil, der mit den rundgeschnittenen Federn, mit dem perfekten Flug, mit dem eleganten Pfeifen, wenn er durch die Luft schießt) bleibt mir noch lange in Erinnerung. KRRDKKGIDDIINNGGG
Keramik trifft auf Holz. Die Funken fliegen, ich sehe sie bis zu meinem Standpunkt. Holz bricht, Keramik siegt - in zwei Stücken bricht der Pfeil nach links zur Seite, das Klappern des gebrochenen Schaftes und das Schleifen der teuren Spitze über den rauen Stein hallen zu mir und schreien mir ihre Verachtung entgegen.
Das ist Leben..
Natürlich war der andere Pfeil auch noch kaputt, Sven wird sich demnächst wieder lustig über mich machen, dass ich andauernd meine Pfeile kaputt kriege und ich selbst ärgere mich doppelt schwarz. Als ich vor Wut meinen Armschutz abmachen wollte, riss ich auch diesen noch kaputt.
Toll.
Vita Vivat oder so. Es lebe das Leben.
Meine Lektion habe ich jedenfalls gelernt - je mehr man gut macht, desto mehr Schlechtes kriegt man am Ende wieder: Sonntag werde ich gar nichts für irgendjemanden machen, werde den ganzen Tag als Kellerkind vorm Computer hocken bleiben und den Tag drinnen verbringen.
Das Leben ist es nicht wert gelebt zu werden.
Irgendwann - und es wird vermutlich nur ich selbst sein - werde ich's mir danken...
Als mich dieser Gedanke durchfuhr, war ich schon ein bisschen stolz. Ich dachte mir - "Hey, irgendjemand - und wenn es nur du selbst bist - wird es dir doch sicher danken. Denn worin sollte sonst der Sinn liegen hinaus an die Frische Luft zu gehen. Du tust dir damit nur selbst nen Gefallen.."
"Nur wo schießt du?" denke ich mir, denn in die Garage (wo ich sonst immer hineinschieße) geht's diesmal nicht. Das Auto steht noch dort, die Eltern sind ausgeflogen.
"Du könntest das Auto selbst hinausfahren.." überlege ich, wohl wissend, dass der Führerschein mir noch fehlt - und das Auto mir auch gar nicht gehört. Aber dann komtm der Gute Geist in mir hoch: "Nein, lass mal lieber. Irgendwer - und wenn es nur du selbst bist - wird es dir schon danken. Ansonsten machst du wohlmöglich noch nen Kratzer ins Auto. Du kannst ja auch auf die Blockhütte schießen.
Gut, denke ich, und schnappe mir meinen Bogen, die nigelnagelneuen Pfeile (8 €uro ! das Stück) und baue die Zielscheibe auf.
"Also", denke ich wieder, "am Besten stellst du die Scheibe nicht zu niedrig auf. Etwas höher, damit die Pfeil nicht kaputt gehen. Und am Besten auf einer Strecke, wo niemand verletzt wird. Und dann noch irgendwo, wo der Pfeil, wenn er vorbeifliegt, niemanden trifft. Also eben den Keramiktopf daruntergestellt und schon steht die Scheibe gut."
Ich bin schon wieder ein bisschen stolz. "Hey, irgendjeamnd - und wenn es nur du selbst bist - wird es dir noch danken. Du denkst an die anderen, willst niemanden verletzen und darüberhinaus schonst du noch deine Pfeile. Hast ja an alles gedacht."
"Gut", denke ich, "nun kann's ja losgehen." Ich lege also an und schieße. Der erste Pfeil trifft tadellos. Der zweite geht daneben ins Holz. "Kein Problem - ich weiß ja jetzt wie ich schießen muss, denke ich mir." Und tatsächlich: die anderen drei Pfeile treffen alle ihr Ziel.
"Wow, nun gehts also weiter. Du weißt ja jetzt wie es geht." - kein Problem, 5 Pfeile, 5 grandiose Treffer. In dem Moment kommen Mama und Papa heim.
"Hey, Papa, schau mal her." sage ich, kurz nachdem ich wieder nen Pfeil angelegt hab. "Ich bin extra rausgegangen und hab die Zielscheibe hier aufgestellt, damit ich das Auto nicht selbst rausfahren musste."
Ich bin schon ein bisschen stolz, spanne den Bogen, ziele und schieße. Der Pfeil fliegt - und PFLOCK - steckt im Holz drin - viel zu hoch.
"Nun gut - aber du hörst sofort auf, wenn der erste Pfeil kaputt geht." denke ich mir, lege den zweiten an, schieße. PFLOCK wieder im Holz. Diesmal zu weit rechts.
Nun gut.. bis jetzt noch keiner Kaputt - der nächste Pfeil folgt genau dem zweiten und landet fast an der selben Stelle.
Nun sind die teuren Pfeile dran. Der Beste zum Schluss. Der nächste Pfeil fliegt gut, mittig, präzise.
Zu tief. DDDIIINNGGGG. Der Keramiktopf vibriert. Der Pfeil landet daneben, ich bin mir nicht sicher, ob er kaputt gegangen ist. "Aber du hast ja selbst gesagt, nach dem ersten kaputten machste Schluss. Wirst ja gleich sehen, wie es um den Pfeil steht." denke ich mir, lege den letzten Pfeil an...
Es sind diese Momente, in denen das Leben einem sagen möchte: Hey, gut gemacht. Du bist die Ehrlichkeit in Person, hast heute alles richtig gemacht, bist n guter Kerl. Ich fick dich trotzdem..
Der Pfeil fliegt, das Geräusch seines Fluges (es war der beste Pfeil, der mit den rundgeschnittenen Federn, mit dem perfekten Flug, mit dem eleganten Pfeifen, wenn er durch die Luft schießt) bleibt mir noch lange in Erinnerung. KRRDKKGIDDIINNGGG
Keramik trifft auf Holz. Die Funken fliegen, ich sehe sie bis zu meinem Standpunkt. Holz bricht, Keramik siegt - in zwei Stücken bricht der Pfeil nach links zur Seite, das Klappern des gebrochenen Schaftes und das Schleifen der teuren Spitze über den rauen Stein hallen zu mir und schreien mir ihre Verachtung entgegen.
Das ist Leben..
Natürlich war der andere Pfeil auch noch kaputt, Sven wird sich demnächst wieder lustig über mich machen, dass ich andauernd meine Pfeile kaputt kriege und ich selbst ärgere mich doppelt schwarz. Als ich vor Wut meinen Armschutz abmachen wollte, riss ich auch diesen noch kaputt.
Toll.
Vita Vivat oder so. Es lebe das Leben.
Meine Lektion habe ich jedenfalls gelernt - je mehr man gut macht, desto mehr Schlechtes kriegt man am Ende wieder: Sonntag werde ich gar nichts für irgendjemanden machen, werde den ganzen Tag als Kellerkind vorm Computer hocken bleiben und den Tag drinnen verbringen.
Das Leben ist es nicht wert gelebt zu werden.
Irgendwann - und es wird vermutlich nur ich selbst sein - werde ich's mir danken...
1 Kommentare:
oh man..
was fürn pech...
aber ich stelle mit freudigem überraschen fest, dass das von mir so oft genutzte "KELLERKIND" nun auch platz in deinem wortschatz gefunden hat!^^
Kommentar veröffentlichen