Samstag, 3. März 2007

(M)eine kleine Theologie

Seit längerer Zeit nun schon mache ich mir so meine Gedanken über "Gott", den Wert von Religion und Glaube, ihre Wirkung sowie Notwendigkeit und natürlich ihren Wahrheitsgehalt.

Wenn man mal alles ganz nüchtern betrachtet, dann trifft für mich persönlich der Satz "Der Mensch erschuf Gott nach seinem Ebenbild" im Gegensatz zu „Gott erschuf den Menschen nach seinem Ebenbild“ zu.

Damals nämlich, vor langer langer Zeit, waren es Menschen, die behauptet haben - und beweisen kann das niemand - dass sie Propheten Gottes (Allahs, Jahwes etc. blablah) waren, also Leute, die etwas geträumt hatten, was sie verwirklichen wollten.
Nobel, meist demokratisch neudenkend, jedoch „nur Träume“.

Diese Propheten könnten eben auch einfach nur diese Träume gehabt haben. Wären es also tatsächlich nur Ideen, keine wahrhaft göttlichen Bestimmungen, würde dies dann alle Religionen gleichermaßen umwerfen.
Man wüsste nicht mehr, was man „Glauben“ könnte.

Nicht anders ist es bei den Naturvölkern.
Dinge, die damals unerklärlich waren, werden Übernatürlichem zugeschrieben – man weiß es nicht besser. Bei diesen Völkern ist es leicht „zu widerlegen“ – für einen "gebildeten Christen" beispielsweise dürften Wasser- oder Feuergötter nicht unbedingt als ernsthafte Alternative zu "ihrem Gott" zur Debatte stehen.

Mit dem Christentum allerdings wäre das ganz etwas anderes. Das würde doch niemand jemals in Frage stellen, oder?

Moment einmal.
Ist das Christentum nicht schon lange widerlegt? Adam und Eva die beiden ersten Menschen auf Erden, aus denen sich ALLE Sechs Milliarden entwickelt haben sollen?
Dann müssten Adam und Eva ja prähistorische Höhlenmenschen sein, denke ich, denn immerhin ist bewiesen, dass der Mensch von jenen abstammt.
Aber stammen die nicht von Affen ab, sagt Darwin?
Und stammen die nicht von anderen Säugetieren ab?
Und stammen die nicht von den Dinosauriern ab? (man verzeihe mir die schiefen Herleitungen)
Und die doch wiederum von Amphibien, die von Fischen, die von Kleinstlebewesen, die von Amöben oder Bakterien oder sonstigem abstammen?

Eigentlich ein Widerspruch zwischen (soweit ich weiß von der Kirche anerkanntem) Darwinismus, also der Wissenschaft, und Christentum.

Nun, normalerweise müsste dann sogar ein Krieg zwischen der Wissenschaft und allen vereinten Religionen stattfinden – denn „XYZ erschuf die Welt etc. blablah“ kann ja nun nicht wahr sein, wenn Evolution stattgefunden hat, oder?

Allerhöchstens könnte „Gott“ vielleicht noch die Amöben geschaffen haben. Wohl eher dann aber nicht nach dem Abbild des Menschen oder? Und dann wohl eher ohne ihnen ne Bibel mit einzupacken, in die sie das gleich reinschreiben konnten.

Die Idee von Religion ist aber deswegen keinesfalls falsch. Das, was wir heute als Ethik und Moral bezeichnen, war damals in den Religionen und nirgendwo anders vorhanden. Demokratische Grundzüge der Gleichberechtigung und des Friedens untereinander waren Bestandteil dieses für seine Zeit supermodernen Systems.

Abspaltungen der Kirche durch Revolutionäre, Luther beispielsweise, stellten hierbei nur weitere Entwicklungen der Kirchen und Religionen, also Entwicklungen der Ethik und Moral, dar. Weitere Einschübe von Gleichberechtigung oder unterschiedliche Ansichten.
Heutzutage jedoch, wo diese Werte in den meisten Regionen der Erde existieren, schwindet der Wert der Kirche immer mehr.

Der aus meiner Sicht einzige Grund, warum die Menschen immer noch an ihren Religionen festhalten ist leicht zu finden:

„Das Leben nach dem Tod“

Es gibt nichts wovor ein Mensch mehr Angst hat, als das Sterben. Nichts ist so ungewiss, wie die Frage „Was kommt danach?“

Betrachtet man die Religionen und somit auch Gott als vom Menschen erfunden, wäre folglich auch die Annahme eines Lebens nach dem Tod nichts weiter als etwas, das der Mensch erfand, um sich zu beruhigen.

Ein Leben nach dem Tod gibt es nicht. Man stirbt. Ende.

Eine trostlose Vorstellung. Und ich würde doch gerne an Gott glauben, wer würde das nicht? Oder besser gefragt: wer tut das und ignoriert dabei alle diese Überlegungen?

Ich zum Beispiel.

Das Leben ist schlecht, böse, Verbrechen lohnt sich, das Böse obsiegt fast immer über das Gute. Gott ist entweder tot, nicht existent oder sehr schwer krank.
Aber Glauben tue ich trotzdem.

Ich weiß nicht, ob es einen Gott gibt. Ich weiß nicht, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Ich weiß nicht, ob meine Freunde, Verwandten oder alten Bekannten nach dem Tod auf mich warten – an irgendeinem Ort – oder ob ich mich an mein altes Leben erinnern werde können. Ob meine Seele, falls so etwas existiert, überhaupt weiterexistiert.
Aber ich muss hoffen, denn sonst bin ich verloren. Als Mensch.

An ein Leben nach dem Tod will ich glauben.

An einen guten und gerechten Gott, zumindest in Form einer höheren Macht, will ich glauben. Weil Glauben trotz vermeintlicher Unlogik immer noch ein fester und wichtiger Bestandteil des Lebens ist.

An Moral, Ethik, Kunst und Wissenschaften glaube ich weiterhin. Da sie die wichtigsten Güter auf dieser Welt sind – und die irdische Welt ist die einzige, von der man überzeugt sein kann, dass sie existiert.

An Jesus Christus als Sohn Gottes jedoch, Shiva, Baphomet, Zeus, Jupiter, Huitzilopochtli, Allah oder Anubis glaube ich dann jedoch wieder nicht.

Denn all das sind immer noch Gestalten der menschlichen Fantasie.

Sie existieren nicht wirklich, sondern lediglich ihre Idee. Sie sind nämlich die Antworten der Menschen vor Tausenden von Jahren auf dieselben Fragen, die wir uns tagtäglich stellen müssen.


Aus der Feder des Meisters, Anno Domini 2007

„Das Leben ist die eine große Frage. Der Tod ist die stumme Antwort.“